Montag, Juli 23, 2007

Das Grauen ohne Gesicht



Obiger Filmausschnitt stammt aus dem Film "To Kill A Mockingbird" (1962) nach dem gleichnamigen Roman von Harper Lee (in der deutschen Ausgabe etwas merkwürdig, eigentlich sogar grob sinnverfälschend "Wer die Nachtigall stört" - wenn man das Buch kennt...). Der Film von Robert Mulligan mit Gregory Peck in der Hauptrolle hat mich als Kind sehr verstört und noch heute finde ich diesen Ausschnitt ziemlich gruselig. Überhaupt sind Buch wie Film schönste/schrecklichste Beispiele des "Southern Gothic", des Südstaaten-Horrors, der mit der gewaltsamen Wiederkehr verdrängter Vergangenheiten spielt: die quasi-feudale Gesellschaftsordnung des alten Südens, die Willkürherrschaft und Inzucht mit sich bringt und allerlei Sonderlinge und Monstren gebiert, aber auch Angst und Beklemmung angesichts des Umlagertseins von Schwarzen, die man brutal in die Leibeigenschaft zwingt, während man sie als körperlich, magisch und sexuell überlegen phantasiert.

In "To Kill A Mockingbird" erlebt das Geschwisterpaar Jem und Scout denn auch die rigorose Klassengesellschaft am eigenen Leib (Vater Anwalt, allein erziehend, Zivilisationsmacht und Exot [Ostküstler?]=Mobbing an den Kindern), wobei Scout (als "Tomboy", was das deutsche "Wildfang" keineswegs einfängt) auch noch an den Gender-Konventionen der ländlichen Umgebung und insbesondere der Schule leidet. Ist natürlich alles nix gegen den Schwarzen, der fälschlicherweise der Vergewaltigung bezichtigt wird oder den gruseligen/anziehenden Boo Radley, der wie ein Tier unter Verschluss gehalten wird und nur nachts ausbricht, um mit den neugierigen Kindern über ein Astloch zu kommunizieren. Man denke auch nur an so grausame Szenen, wie das Erschießen eines tollwütigen Hundes durch den strengen Vater...oder eben diese Verfolgung, bei der Scout anlässlich einer Schulaufführung eben ein Schinkenkostüm trägt.

Harper Lee ist ein bißchen zu Unrecht vergessen nach ihrem einen großen Erfolg und stand wohl immer etwas im Schatten ihres Freundes Trueman Capote (in dessen diversen Büchern man ähnliche Südstaaten-Mähren nachlesen kann, wobei mir das so hoch gelobte "In Cold Blood" nie so recht gefallen mochte, die "Grasharfe" und "Other Voices, Other Rooms" dagegen schon, wenn´s auch manchmal schwülstig wird in der ganzen Sumpfhitze dieser Texte). In ihrer Funktion als (leider nur) Dichter-Diva-Freundin ist sie denn auch im jüngsten "Capote" - Film zu sehen, der natürlich ebenfalls eine Empfehlung wert ist.

So, fragt man sich - hat der nix anderes zu tun als sich über Bücher und Filme zu verbreiten? Schließlich warten wir auf postmodernen Horror in Buchform. Doch, hat er, (Achtung! Schlenker!) der Vorlauf soll nur noch mal darauf hinweisen, dass das Schrecklichste oft nur Ausschnitthaft zu sehen ist...vor allem, wenn man ein Schinken ist bzw. ein ungelenk verkleidetes kleines Dingschen. Ich bin ja auch oft nur ungenügend in die Hülle des Chefred gepresst, während mich Deadlines jagen (ich sehe das Augenrollen der Leserschaft angesichts dieses Vergleichs...dafür der janze Bogen?), und verrichte also inzwischen hauptsächlich Arbeit, die man nach außen nicht sieht, also Emails schreiben, Personal und gewünschtes Personal beknieen, Planen, Korrigieren, Hin- und Herüberlegen, streichelzart in ein paar Hintern treten. So geht es mählich voran, aber morgen gibt es, wenn heute abend alles glatt geht, wenigstens wieder einen schönen Spielbericht. Sobald sich ein paar Wolken über unserem kleinen Projekt verzogen haben (keine gefährlichen Wolken, keine Sorge, nur lästige), berichte ich dann mal einige Neuigkeiten und lasse vielleicht schon mal ein Preview durchblitzen.

Inzwischen viel Spaß mit dem angeregten Buch/Film; der Ausschnitt stammt übrigens aus der bei Youtube verfügbaren Reihe "Retrocrush 100 Scariest Movie Scenes", die man dort getrost mal aufsuchen sollte, um ein paar weitere gelungene Momente abzupassen.

Zuletzt noch der Hinweis, dass wir uns demnächst wohl mal näher mit den White Stripes befassen müssen. Um diese Band rankt sich so einiges, wie mir immer klarer wird.


2 Comments:

Anonymous Anonym said...

Schöner Film, finde ich auch. Danke für den Hinweis auf die Szenensammlung bei Youtube - ich wühle mich da gerade (beim Frühstücken) durch. :)

8:24 AM  
Anonymous Anonym said...

Hallo Jasper!

Ich habe den Roman im Anglistik-Studium gelesen - mein Dozent war ein absoluter Fan davon, und ich mag ihn auch recht gern. Den Film habe ich später gesehen, aber ich möchte dir danken, daß du den Ausschnitt verlinkt hast.

Gruß,
Felix

4:21 PM  

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